Gustav Leysieffer, Teil 2

In der Schriftenreihe des Archivs der Stadt Troisdorf 100 Jahre Kunststoffe aus Troisdorf“ hat der langjährige Stadt-Archivar Matthias Dederichs Leysieffer und seine erfolgreiche berufliche Tätigkeit in Troisdorf beschrieben. Inhalte davon gebe ich in dieser Schrift wieder.

Gustav Leysieffer wurde 1889 geboren; er studierte Cellulosechemie in München und an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin und wurde dort mit seiner Arbeit „Beiträge zur Kenntnis der Beziehungen zwischen Viskosität von Zellulosenitratlösungen und Nitrierprozess, unter besonderer Berücksichtigung von Holzzellulose“ 1917 promoviert.

Dazu gibt es zwei Bücher (siehe im Internet: books.google.de/books/about/Beitr%C3A4ge.. von 1918 und http://onlinebooks.library.upenn.edu/webbin/book/lookname?key=Leysieffer%2C%.. von 1917; jeweils mit ähnlichem Titel wie seine Inauguraldissertation.

1917 übernahm er in Troisdorf bei der damaligen Rheinisch-Westfälischen Sprengstoff AG (RWSAG) die Stelle des Assistenten beim Leiter des Nitrocellulosebetriebs, der kriegsbedingt hauptsächlich Schießbaumwolle, allerdings seit 1905 auch Celluloid (beide Produkte auf Basis Nitrocellulose) produzierte.

Direktor Dr. Paul Müller beauftragte Leysieffer mit dem Aufbau und der Einrichtung des Kunststofflabors, um nach Ende des 1. Weltkriegs die Produktion auf „Friedensprodukte“ umzustellen. Hier entwickelte er 1921 das weltweit bekannte TROLIT auf Basis Nitrocellulose mit mineralischen Füllstoffen als schwer entflammbare Strangpress- und Spritzgussmasse.

Die Herstellung begann 1918 im vor Jahren neugebauten zentralen Speisesaal, weil die Pulverfabrik vollständig abgerissen war. Die französische Besatzungsmacht gab 1920 aber den Speisesaal für die Produktion nicht frei, und so musste auf dem Gelände der Pulverfabrik

eine neue Produktionsstätte für 40.000 RM gebaut werden. Es wurde ab 1920 TROLIT F (Cellulosenitrat mit mineralischen Füllstoffen) als Press- und Strangpressmasse hergestellt. TROLIT W (Celluloseacetat) folgte 1923.

Beide waren die ersten thermoplastische Kunststoffe für den Spritzguss. Für die Verarbeitung waren spezielle Pressen und Spritzgussmaschinen nötig. Diese wurden von Dr. Leysieffer aufgrund seiner kunststoff- technischen Materialkenntnis bei der Kölner Maschinenbaufirma Eckardt&Ziegler angeregt, dort realisiert und in Troisdorf zur Produktion entsprechender Kunststoff-Halbzeuge benutzt. TROLIT-Halbzeuge waren damals Hörmuscheln, Kopfhörer, Gehäuse, Skalenscheiben für die Radioherstellung sowie Knöpfe, Rasiermesserschalen, Kämme, Haarschmuck und Kästen für den Alltagsgebrauch. Die Knöpfe und auch Schnallen wurden in der 1923 geründeten Knopffabrik (siehe www.kunststoff.-museum.de >>Die Troisdorfer Knopffabrik) produziert.

Der „thermoplastisch verarbeitbare Kunststoff TROLIT wurde der Ursprung einer bahnbrechenden Entwicklung für den Aufbau der Troisdorfer Kunststoff-Industrie. Hieraus entstand die Grundidee für weitere Anwendungsgebiete und Innovationen bei neuen Kunststoffen in der ganzen Welt. Dazu hatte Dr. Gustav Leysieffer die Grundlagen geliefert.“

Troisdorf entwickelte sich zur „Metropole der Kunststoff-verarbeitung.

Bei Dr. Leysieffer hatte sich die Erkenntnis entwickelt, dass zusätzlich zur Herstellung der Kunststoffrohstoffe zweckmäßig auch Weiterverarbeitungsbetriebe in Troisdorf angegliedert werden sollten. So war 1922 schon das TROLIT-Presswerk und 1923 die eigene Knopffabrik in Troisdorf gebaut worden.

Zum Neubeginn in Troisdorf nach dem 1. Weltkrieg schrieb M. Gebhardt, Troisdorf, die Darstellung „Das Celluloid-Entwicklungslabor“ (siehe dort).

1924/25 begann Dr. Leysieffer, sich mit den Phenol- und kresolharzen zu beschäftigen, deren Herstellung Baekeland 1908 in Deutschland patentiert hatte.

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