Patente von Dr. Gustav Leysieffer, Troisdorf

>> Artikel als PDF herunterladen <<

Dr. Gustav Leysieffer (*1898) hatte im März 1917 an der Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin seine Inauguraldissertation vorgelegt mit dem Titel:

Beiträge zur Kenntnis der Beziehungen zwischen Viskosität von Zellulosenitratlösungen und Nitrierprozess, unter besonderer Berücksichtigung von Holzzellulose“.

Seine erste berufliche Stelle trat er bei der Rheinisch-Westfälischen-Sprengstoff-AG in Troisdorf als Assistent des Betriebsleiters des Nitrocellulosebetriebes an.

Er trug die Umstellung der Kriegs-Produktion nach dem 1. Weltkrieg auf Kunststoffe in der Kunststoff-Fabrik -KUFA- aus dem Troisdorfer Kunststoff-Labor heraus maßgeblich voran.

Als Cellulose-Chemiker ließ er folgende Verfahren patentieren:

20. März 1919 „Verfahren zur Herstellung hartgummiähnlicher, plastischer Massen aus Zellulosederivaten“ (Nitrocellulose) und

am 28. September 1920 „Verfahren zur Herstellung von unentflammbaren, plastischen Massen aus den Estern und Äthern der Zellulose“ – die Basis für die ersten thermoplastisch-verarbeitbaren Press- und Strangpressmassen auf Basis Celluloid unter dem Markennamen TROLIT F (ab 1920) war gelegt.

Auch das bekannte Celluloid-Verfahren (Koch-Pressen von Blöcken und dann Sägen aus dem Block und Verpressen der Platten) hat er verbessert:

Verfahren zur Herstellung von Halbzeug aus Celluloid bzw. celluloidartigen Masse“ vom 31. Dezember 1924.

Das seit 1911 vom Erfinder Arthur Eichengrün lizenzierte CELLON-Verfahren wurde durch das Leysieffer-Patent „ Verfahren zur Herstellung von hartgummiähnlichen Massen aus Acetylcellulose“ vom 4. November 1924 hinsichtlich der Produkteigenschaften maßgeblich verbessert (TROLIT W, ab 1923).

1919 schon beschäftigte sich Leysieffer und sein Kollege Dr. Paul Balke mit einer „Homogenen Schallplatte für Sprech- und ähnliche Maschinen und Verfahren zu deren Herstellung“ auf Basis von Celluloid; 1937 folgte ein Anschlusspatent.

1922 wurde in Troisdorf für die TROLITAN-Massen ein Presswerk eingerichtet und 1924 die über Jahrzehnte erfolgreiche Knopffabrik.

Balke hatte am 18. Juni 1921 das Patent „Knopf“ (auf Basis Celluloid) erteilt bekommen.

1924/25 begann Leysieffer nach Ablauf der Patentdauer von Hendrik Baekeland für Bakelit, sich mit Phenol- und Kresolharzen und deren Herstellung zu beschäftigen (siehe auch unter Geschichte: Phenol-Formaldehyd-Harze aus Troisdorf), TROLON-Gießharz ab 1924 und TROLITAN ab 1925 waren die Troisdorfer Produkte.

Das Basis-Verfahren war ja 1908 Herrn Baekeland patentiert worden, und so blieben Leysieffer nur Anwendungspatente „übrig“ wie „Verfahren zur Herstellung von Platten aus gießbaren Kunststoffen“ vom 9. März 1930, TROLITAN-Platten.

Die gut einfärbbare Aminoplast-Masse POLLOPAS (nach einem Patent von F. Pollack, Harnstoff-Formaldehydharz) ab 1931 und ULTRAPAS (Melaminharz) ab 1938 sollten als Polykondensate und Pressmassen aus Troisdorf folgen. Ultrapas-Halbzeuge wie Platten für Möbel sollten erst ab 1954 entwickelt werden.

Halbzeuge unter Verwendung von TROLITAN-PF-Harzen waren die Papierpressplatte für die Elektroindustrie TROKLIT ab 1936, das gepresste Hartgewebe mit PF-Harzen DYTRON ab 1937 und die gepressten Papierbahnen mit PF-Harzen TROLITAX ebenfalls ab 1937 (ab 1963 mit Kupferfolien erhältlich als Basismaterial für gedruckte Schaltungen in der Elektronikindustrie).

 

Die Formmassen sollten bis 1993 und TROLITAX bis 1995 in Troisdorf hergestellt werden.

Hier folgt eine Patentübersicht:

 

Hier folgen die Patentschriften in zeitlich-aufsteigender Reihe: