Das 100-jährige Jubiläum für Troisdorfer Zünder (1986)

Artikel von Ulrich Hopmann in der Werkzeitschrift „Dynamit Nobel“, 5+6/1986

Ein besonders Jubiläum gab es in den ersten Oktobertagen (1986) in der Züfa zu feiern: Der Troisdorfer Zünder wurde 100 Jahre alt. Dynamit Nobel, maßgeblich an der Entwicklung von der Sprengkapsel zum elektrischen Zünder beteiligt, lud zum Geburtstag ein. Geschäftsfreunde, Mitarbeiter und deren Angehörige nutzten die Gelegenheit, einen tiefen Einblick in die Arbeitsbereiche der Züfa (Zündhütchenfabrik) zu bekommen, aber auch, um Kontakte zu knüpfen und zu vertiefen.

Dynamit Nobel beeinflußte maßgeblich die Entwicklung von der Sprengkapsel zum elektrischen Zünder für Sprengstoffe

Das Dynamit, der ebenso wirksame wie handhabungssichere Sprengstoff, war die eine geniale Erfindung von Alfred Nobel, dem Gründer Dynamit Nobel Aktiengesellschaft. Mindestens ebenso bedeutsam war seine Erfindung der Sprengkapsel für die sichere Zündung der Sprengstoffe. Erst durch den Nobelschen Patentzünder konnte die enorme Sprengkraft des neuen Sprengstoffs gefahrlos ausgelöst und in ihrer vollen Wirkung ausgenutzt werden. Der steigende Bedarf an solchen Sprengkapseln veranlaßte 1986 den Chemiker und Sprengstoffachmann Daniel Emil Müller in Troisdorf zum Bau einer Zündhütchenfabrik, der „Züfa“. Mit der Grundsteinlegung für die „Züfa“ und der Fertigung des „Troisdorfer Zünders“ begann die Entwicklung Troisdorfs zum größten Standort der Dynamit Nobel, der seit 1938 auch Firmensitz der Gesellschaft ist.

Troisdorf wurde auch zum Zentrum der Kunststoffverarbeitung bei Dynamit Nobel. Einen eigenen, mit seiner typischen Bebauung aus Sicherheitsgründen weiträumig in den Waldbestand gelegenen Werkskomplex bildet aber die „Züfa“, nach wie vor eine tragende Säule des Unternehmens. Über die Jahrzehnte hinweg haben sich die hier entwickelten und mit äußerster Sorgfalt gefertigten Produkte der „Züfa“ höchste Anerkennung verschafft und Kunden in aller Welt gewonnen. Wo immer im Bergbau unter Tage, beim Bau von Häfen, Straßen, Tunneln, in Steinbrüchen und bei seismischen Arbeiten Sprengstoffe den Menschan mühselige Arbeit abnehmen – Troisdorfer Zünder leiten die Sprengung ein.

Dabei war der Weg vom Nobelschen Patentzünder bis zum heitigen elektrischen Zünder weit. Die Entwicklung wurde maßgeblich in Troisdorf vorangetrieben. In den 30er Jahren war es insbesondere der damalige Werkleiter Wilhelm Eschbach, der einer Generation von Zündern seinen Namen gab. Ein wahres Wunderwerk an Präzision sind die modernen Schnellzeitzünder, mit denen mehrere verteilte Sprengladungen in bis zu 18 Zeitstufen im Abstand von Millisekunden gezündet werden. Die Vorteile einer solchen Zündweise liegen in der besseren und gleichmäßigeren Zerkleinerung des Haufwerks sowie der wesentlich geringeren Erderschütterung als bei der gleichzeitigen Zündung von vielen Sprengladungen mit dem sogenannten Momentzünder. Das aktuelle Sortiment an Moment-, Kurz- und Langzeitzündern umfaßt 2000 Varianten und geht aus einer Produktionskapazität von ca. 50 Mio. Zündern/Jahr in alle Welt.

Ein elektrischer Sprengzünder besteht aus 11 Teilen, die in 125 Arbeitsschritten entstehen, zusammengefügt und geprüft werden. Das beginnt mit dem Erschmelzen der speziellen Kupfer- oder Aluminiumlegierungen für die Zünderhülsen in einer eigenen Buntmetall-Gießerei. In dem sci anschließenden hochmodernen Kaltwalzwerk werden die aus der Gießerei kommenden Stränge zu Bändern gewalzt, aus denen im Hülsenbetrieb die Sprengkapselhülsen gezogen werden. Im Sprengmittelbetrieb werden unterdessen die für die Primärladung und für die Sekundärladung benötigten Sprengstoffe gefertigt. Im Zünderbetrieb wird zunächst der Rohzünder hergestellt, dessen herz die Zündpille ist mit einer nur noch durch eine Lupe zu erkennenden Feinmechanik aus Drähten für die Übertragung des elektrischen Impulses. Schließlich werden die vielen Teile auf automatischen Taktstraßen zu kompletten Zündern montiert.

Das umfangreiche Know-how, das sich die Züfa in der Metallverarbeitung und im Umgang mit Zünd- und Sprengstoffen erworben hat, findet Niederschlag auch in der Herstellung vom Metallhalbfabrikaten für Jagd- und Sportmunition sowie von Spreng- und Zündschnüren. Insgesamt haben die Produkte der „Züfa“ Troisdorf, wo etwa 1000 Mitarbeiter von Dynm,it Nobel ihren Arbeitsplatz haben, im Jubiläumsjahr des Troisdorfer Zünders einen Wert von 150 Mio. D-Mark.“

 

Produktserie sws-schlagwettersicherer U-unempfindlicher Sprengzeitzünder für den Kohlebergbau

Bearbeitet: Dr. Volker Hofmann, Troisdorf, 3. August 2014

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