Aufbruch Troisdorfs ins Industriezeitalter

So titelte Theodor Hundt in Band 17 der Schriftenreihe des Heimat- und Geschichtsverein Troisdorf seine Studie über die Dorfgemeinschaft Troisdorf im 19. Jahrhundert, die im Oktober 2009 erschien.

Darin schreibt der Autor von armen Dorfbewohnern in Troisdorf, die ihr Dasein in kümmerlichen einfachen Fachwerkhäusern fristeten. Die Kuhweide in der Wahner Heide kostete nichts  und für einen kleinen Garten reichte es meist. Die Tatsache, dass damals die Spicher „Bleimöpse“ auf dem Truppenübungsplatz in der Heide Altmunition aus dem Boden gruben, um das Metall zu verkaufen, sieht der Autor als weiteren Beleg für die kärglichen Verhältnisse. Eine Kassensteuerrolle listete 1860 die Mehrheit der Troisdorfer Bürger in der untersten Stufe.

Ihr Brot mussten viele als Landarbeiter verdienen, bis in der ersten Hälfte zu Anfang des 19. Jahrhunderts die Frühindustrialisierung einsetzte. So listete der Autor in einer Aufstellung aus dem Jahre 1847/48 die bestehenden Gewerbebetriebe des Siegkreises wie folgt auf:

  1. Eine chemische Fabrik für Eisen-Vitriol bei Rott (5 Arbeiter)
  2. Eine Stärke-Fabrik in Hennef (10 Arbeiter)
  3. Zwei Haupt-Steinhauer-Gewerkschaften und 12  einzelne Arbeitsstellen für Backofensteine in und bei Königswinter (ca. 300 Arbeiter)
  4. Die Eisenschmelze verbunden mit einer Gießerei zu Friedrich-Wilhelms-Hütte (ca. 190 Arbeiter). Die Friedrich-Wilhelm-Hütte wurde 1830 von dem Obergeometer Johann Wilhelm Windgassen geründet und von dem Kölner Zuckerfabrikanten Johann Jakob Langen 1843 erworben.
  5. Eine Eisenschmelze bei Ruppichteroth (6 Arbeiter)
  6. Zwei Dachziegeleinen am Aggerdeich und Zeche  Plato bei Niederpleis (6 und 10 Arbeiter)
  7. Basaltsteinbrüche bei Oberkassel (ca. 80 Arbeiter)
  8. Das Fabrik-Etablissement zu Siegfeld von Rolffs & Companie (200 Arbeiter)
  9. Alaun-Fabrik in Spich (35- 40 Arbeiter)
  10. Zwei Pulvermühlen in Ruppichteroth (5 Arbeiter)
  11. Sechzehn Kalköfen in Ruppichteroth (75 Arbeiter)

Für das Jahr 1850 wurde in den statistischen Nachrichten des Landrats in denen schwindender Wohlstand und ein Mangel an Arbeit und Verdienst erwähnt werden. Teilweise brach der Absatz um ein Drittel ein, der zur Entlassung von bis zur Hälfte der Arbeiter führte.

1854 begannen die Bauarbeiten für die Eisenbahnstrecke Köln-Troisdorf-Gießen und 1859 für die Strecke Deutz-Siegburg-Hennef.

Mit der zweiten Phase der Industrialisierung, der sogenannten Hochindustrialisierung, die ihre Impulse den Forschungen und Erfindungen aus Physik, Chemie und Technik verdankte, erhob sich langsam, in manchen Gegenden kaum merklich, das wirtschaftliche Wachstum der deutschen Volkswirtschaft, die damit zu einem echten Konkurrenten gegenüber dem damals von englischen Waren beherrschten Welthandel wurde.

„In Troisdorf darf man das Jahr 1887 als das Ende der Protoindustrialisierung und Beginn der Hochindustrialisierung ansehen. In diesem Jahr wurde das Dorf durch die Ansiedlung der „Munitionsfabrik“, woraus die „Dynamit A.G., vormals Alfred Nobel & Co.“ hervorging, aus seinem ärmlichen Dasein herausgehoben und durfte an dem mächtigen industriellen Aufschwung teilhaben. Erst diesem Werk verdankt es seinen Ruf als Industrieort und vor allem zahlreiche Arbeitsplätze. Das Werk wurde einer der Hauptarbeitgeber der Region.“

Bearbeitet: Dr. Volker Hofmann, Troisdorf, 4.November 2009